Kölner Stadt-Anzeiger, 17. Juni 2026
Im Auftrag der neuen Initiative „Exzellent Köln“ hat das Rheingold-Institut untersucht, wie die Kölnerinnen und Kölner ihre eigene Wirtschaft wahrnehmen. Das Ergebnis überrascht selbst Rheingold-Gründer Stephan Grünewald: Die Stadt überschätzt den Rivalen Düsseldorf und unterschätzt die eigene Wirtschaftspotenz – Technologie-Pioniere wie DeepL oder heimliche Weltstars wie Igus bleiben einer breiten Masse unbekannt.
Wie sehr? Fragt man die Kölner nach wichtigen Firmen, fallen vor allem Ford, einige Brauereien, RTL oder die Gamescom – also Unternehmen, die für Versorgung und Unterhaltung stehen. Jeder zweite Befragte fühlt sich über die Wirtschaft schlecht informiert, und beim Zustand von Verkehr und Stadtbild finden nur noch zwölf beziehungsweise fünf Prozent, Köln habe etwas zu bieten. „Es ist wirklich alarmierend zu sehen, wie wenig die Kölnerinnen und Kölner von ihrer Wirtschaft wissen“, sagt Grünewald.
Und warum? In der Wahrnehmung dominieren die „versorgenden Qualitäten“ – Lebensfreude, Geselligkeit und Geborgenheit, Grünewalds Bild vom „Büdchen“ –, während Leistung, Disziplin und Ehrgeiz zu kurz kommen und Sichtbarkeit fast als „unkölsch“ gilt. Auch die Unternehmen selbst pflegen einen „Bloß-nicht-Protzen-Habitus“: Erfolg wird hinter vorgehaltener Hand verhandelt, wichtige Entscheidungen fallen im Klüngel. So wird die „Unsichtbarkeit zum heimlichen Markenzeichen“ der Kölner Wirtschaft – lange überdeckt vom idyllischen Selbstbild der „schönsten Stadt Deutschlands“.